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Entenklemmer

Der Entenklemmer genießt im Schwäbischen keinen guten Ruf. Ein Entenklemmer ist jemand, der geizig auf seinem Geld sitzt und es nicht ausgeben will. Unseren Banken wird vorgehalten, auch Entenklemmer zu sein. Der Staat hat sie mit Milliarden von Euro gestützt und die Europäische Zentralbank ermöglicht ihnen einen Refinanzierungszins von 1 %. Dennoch der Vorwurf: die Banken sind knauserig mit der Kreditvergabe. Der stockende Kreditmotor droht die Wirtschaft abzuwürgen. Die Bundesregierung reagiert darauf und setzte einen Kreditmediator ein, der helfen soll, die Finanzierung unserer mittelständischen Unternehmer zu erleichtern. Das Instrumentarium des Mediators ist bescheiden. Er vermittelt und prüft, ob die Bank den Kredit zu recht abgelehnt hat. Der Mediator besitzt keine Entscheidungsbefugnis und kann keine Sanktionen aussprechen. Ganz neu ist die Idee nicht. In Frankreich, wo mit Molièrs l’Avare, der Vetter unseres schwäbischen Entenklemmers wohnt, hat Staatspräsident Sarkozy schon 2008 einen „Médiateur du Crédit“ eingesetzt. Mit Erfolg: 17.500 Unternehmen haben den Schlichter angerufen. Eine Kreditsumme von 1.8 Milliarden Euro wurde ausgezahlt. Im Saarland, aber auch bei uns hat die SPD die Einsetzung eines landesweit tätigen Kreditmoderators verlangt, weil wir uns in einer Kreditklemme befänden und der Moderator unmittelbaren Zugang zu Krediten und Bürgschaften schaffen könne.

Ob so ein Kreditmoderator auch bei uns erfolgreich sein kann, muss man sehr genau untersuchen. Unser Finanzmarkt unterscheidet sich zum französischen Markt und er ist nur ein Teilmarkt des Bundes. Einer Kreditklemme in Baden-Württemberg möchte ich nicht das Wort reden. Der Bund stellt 115 Mrd. Euro für den Deutschlandfonds bereit. Das Geld kommt Unternehmen durch Bürgschaften und Kredithilfen zugute. Das Instrumentarium soll erweitert werden. Der Zugang zu Betriebsmittelkrediten der KfW wird verbessert. Das ist ein richtiger Schritt, denn die KfW Förderpraxis ist relativ unübersichtlich. Der Bund plant zudem, Kreditrisiken zu übernehmen. Ob dies ordnungspolitisch wünschenswert ist lass ich mal dahingestellt sein. Im Land machen wir das nicht. Auch wenn das für die Banken kein Vertrauensbeweis ist, ein Kreditmediator mag bei den veränderten Rahmenbedingungen im Bund hilfreich sein. Wenn es ein Bedarf für einen zusätzlichen Kreditmoderates gibt, ist er bei uns eher am geringsten.

Der französische Zentralismus hat eine völlig andere Bankenstruktur, nicht vergleichbar mit unserem Drei-Säulen-Modell. In Frankreich haben sich die Banken im Gegenzug zu staatlichen Kapitalhilfen verpflichtet, ihre Kreditvergabe an Unternehmen um 4% zu erhöhen. Das will der Staat durch Kreditmediatoren sicherstellen. Bei einem Kreditvolumen von 1,8 Mrd. Euro und 17.500 Anträgen sind das durchschnittlich 100.000 Euro. Es sind die kleinen Kreditgeschäfte, die das Volumen ausmachen.

In unserem Infrastrukturprogramm stellen wir 1,2 Mrd. Euro für Bürgschaften zur Verfügung, flankiert vom Liquiditätsprogramm der L-Bank über 1 Mrd. Euro. Über 2.200 Anträge hat die Bürgschaftsbank 2009 unbürokratisch und schnell bewilligt. Banken, Genossenschaften und Sparkassen berichten von einem deutlichen Anstieg der vergebenen Kredite gegenüber dem Vorjahr. Bei uns werden die kleinen Kredite bedient. Die Kreditmittel des Landes sind längst nicht abgerufen.

Die Deutsche Bank, die Sparkassen und die Commerzbank wollen jetzt noch einen milliardenschweren Mittelstandsfonds auflegen. Wenn das Kreditvolumen steigt, lässt sich schwerlich von einer Kreditklemme sprechen. Kammern und Verbände beraten ihre Mitglieder bei den Kreditanträgen. Mit den Coaching-Assistenen und der Interministeriellen Task Force Unternehmensbetreuung moderiert die Landesregierung aktiv die Verhandlungen unseres Mittelstands mit den Banken. Um der Opposition keine offene Flanke zu bieten, haben wir uns entschieden, den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium zum Mediator zu berufen. Überzeugt bin ich von der Maßnahme allerdings nicht.

In der Finanzkrise brechen die Aufträge weg und das Eigenkapital schmilzt. Bankengespräche sind schwieriger geworden. Es gilt, die Eigenkapitalstruktur unserer Unternehmen zu stärken. Die L-Bank forciert mezzanine Finanzierungen. Das müssen wir ausbauen. Ich halte es auch für kritisch, dass Fremdkapital steuerlich besser behandelt wird als Eigenkapital und ich halte es für überfällig, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung steuerlich so behandelt werden wie in anderen europäischen Ländern. Da besteht Nachholbedarf, denn wir sind Schlusslicht. FuE steuerlich besser zu stellen, halte ich für besser als Projektfinanzierungen.

Ich meine, die Zügel von Basel II sind in der Krise zu straff. Die Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten. Wer viele wertlose Papiere hat und das Instrument Bad Bank nicht nutzt, tut sich damit schwer. Unternehmen, deren Finanzanlagen krisenbedingt an Wert verloren haben, erfüllen die Kreditbedingungen nicht mehr. Je schlechter das Rating, desto unwirtschaftlicher die Zinsbedingungen. Mit der Forderung nach einem Kreditrisikopuffer und der Neudefinition von Kernkapital will Basel II die Zügel noch mehr straffen. Finanzpolitisch ist das unglücklich, weil sich das negativ auf die Kreditvergabe auswirkt. Basel II sollte vielmehr die Ratingraten glätten und einen 5jährigen Bewertungszeitraum zugrundelegen und dabei auch die Zukunftsperspektiven der Unternehmen berücksichtigen.

Der europäische Finanzmarkt ist zu unstrukturiert. Da wird Europa im nächsten Jahr noch Hausaufgaben machen müssen. Eine Menge Arbeit liegt noch vor uns. Im Land tragen wir unseren Teil dazu bei.

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© Dr. Reinhard Löffler MdL

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